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The Hunger of the Shadow · Kapitel 11 — Kapitel 11: Aufnahme in den Tianji-Pavillon

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Kapitel 11

Kapitel 11: Aufnahme in den Tianji-Pavillon

Das Morgenlicht fiel durch die Ritzen der Vorhänge auf das Kopfende des Bettes, als Jiang Han plötzlich aus dem Schlaf schreckte. Auf seiner Stirn perlten noch einige Tropfen kalten Schweißes.

Die letzten Bilder des Traums waren noch klar: Die sanfte Frau in Weiß wurde von einer grässlichen schwarzen Gestalt fortgeschleppt und verschwand in der endlosen Dunkelheit. Unbewusst griff er ins Leere, und in seinem Mund hallte noch der unvollendete Ruf nach: »Gib es mir zurück!«

»So früh am Morgen schon Albträume?«

Am Esstisch kaute Jiang Yu gerade auf einem Stück Brot und musterte ihren großen Bruder neugierig. Heute hatte sie ihre Haare zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden und trug ein einfaches weißes T-Shirt mit Jeans – jugendliche Frische strahlte sie aus.

Jiang Han schaufelte lustlos zwei Löffel Brei in sich hinein und seufzte: »Frag nicht. Gerade erst eine Beziehung angefangen, und schon wurden wir auseinandergebracht.«

»Hä? Wann hast du denn eine Beziehung angefangen?« Jiang Yu sah völlig verwirrt aus.

Auf dem Weg zur Schule stiegen Dampfwolken von den Straßenimbissen auf. Jiang Han ging gerade vorüber, als eine seltsame Fluktuation seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Er sah, wie die Pfanne, die die alte Frau schwang, die gebratene Teigtaschen verkaufte, einen schwachen Schimmer ausstrahlte. Die Flammen unter der Pfanne kamen nicht von einem Gasherd, sondern von einer Art spirituellen Energieschwankung.

»Heutzutage sind sogar die Frühstücksimbisse schon so hardcore?« Jiang Han starrte verdutzt darauf.

Die alte Frau wendete geschickt die Teigtaschen in der Pfanne. Als sie jemanden stehenbleiben sah, rief sie freundlich: »Junger Mann, zwei Körbchen? Das ist ein altes Familienrezept, langsam über Geisterfeuer gebraten. Das macht dich garantiert fit!«

Jiang Han schüttelte den Kopf und ging weiter zur Schule. Diese Welt war wirklich überall voller Merkwürdigkeiten – selbst im Alltag der normalen Bürger war der Schatten von spirituellen Artefakten allgegenwärtig.

Kaum hatte er das Klassenzimmer betreten, kam der pummelige Zhang Yuanyuan wie ein Geheimagent auf ihn zu und zog ihn mit besorgtem Gesicht in eine Ecke.

»Jiang Han, etwas Schreckliches ist passiert! Gestern Nacht bin ich einem Geist begegnet!«

»Hm?« Jiang Han zog eine Augenbraue hoch. »Du auch?«

Als er an den verirrten Geist dachte, der ihn gestern halb zu Tode erschreckt hatte, konnte er das gut nachvollziehen.

Zhang Yuanyuan nickte immer noch verängstigt und flüsterte: »Auf dem Heimweg traf ich eine alte Frau, die Obst verkaufte. Ihre Äpfel leuchteten so rot, also fragte ich, ob sie süß seien. Sie sagte, nicht süß, kein Geld. Also kaufte ich zwei. Aber nach dem Essen fand ich sie sauer und wollte mein Geld zurück – da beschimpfte sie mich als schamlos!«

Dabei zitterte Zhang Yuanyuans pummeliger Körper. »Meinst du, sie könnte so ein Geist sein, der Menschenorgane stiehlt?«

Jiang Han verdrehte die Augen. »Du kannst froh sein, dass sie dich nicht verprügelt hat. Sprich nachts weniger mit Fremden.«

»Warum denn?« Zhang Yuanyuan sah völlig ahnungslos drein.

Jiang Han hatte keine Lust zu erklären und ging direkt zu seinem Platz. Kaum hatte er sich gesetzt, entstand plötzlich ein Tumult am Klassenzimmereingang.

Alle Blicke richteten sich sofort dorthin: Ein Mädchen mit kühler Ausstrahlung betrat den Raum. Es war Bai Ruoxue, die gestern erst ein Himmelsstufen-Spiritualwerkzeug offenbart hatte. Ihre Aufnahme in den Tianji-Pavillon war so gut wie sicher.

Zhang Feng reagierte am schnellsten, sprang sofort auf und fragte mit einem breiten Grinsen: »Bai, welche Ehre hast du uns? Gibt es Anweisungen?«

Bai Ruoxue würdigte ihn keines Blickes. Ihr Blick schweifte durch das Klassenzimmer, dann ging sie direkt auf Jiang Han zu.

»Ich suche Jiang Han.«

Sofort wurde es in der ganzen Klasse still, Dutzende Augen starrten in diese Richtung. Zhang Yuanyuan war so nervös, dass er nicht wusste, wohin mit den Händen – er wollte mit der Göttin sprechen, traute sich aber nicht.

Jiang Han blickte zu der hochmütigen weißen Schwänin vor ihm auf und sagte gelassen: »Was willst du von mir?«

Bai Ruoxue kam sofort zur Sache: »Die Grünstufen-Seelenjade, die dir gestern Chen Yuan gegeben hat – die will ich. Dreißigtausend. Verkaufst du?«

Also deswegen.

Bei diesen Worten veränderte sich Zhang Fengs Gesichtsausdruck leicht. Unwillkürlich kam ihm die gestrige Erfahrung in der Wildnis in den Sinn, und ein saurer Geschmack stieg in ihm auf.

Wer hätte gedacht, dass diese Grünstufen-Seelenjade am Ende ausgerechnet Jiang Han in die Hände fallen würde – diesem »Nutzlosen« mit nur drei Fertigkeitsslots?

Jetzt war Bai Ruoxue bereit, dreißigtausend zu zahlen. Das bedeutete, Jiang Han könnte einen ordentlichen Gewinn machen.

Doch Jiang Han antwortete träge: »Du kommst zu spät. Die Seelenjade habe ich bereits absorbiert.«

In Bai Ruoxues Augen flackerte ein Anflug von Missfallen, doch sie sagte nichts weiter und drehte sich um.

Als er ihr nachsah, konnte Zhang Feng sich nicht verkneifen, spöttisch zu bemerken: »Jiang Han, du bist wirklich undankbar. Bai Ruoxue ist die zukünftige Kernkraft des Tianji-Pavillons. Mit deiner mageren Begabung ist die Seelenjade bei dir verschwendet – hättest sie lieber großzügig abgegeben.«

Jiang Han sah ihn halb belustigt an. »Wenn sie so wichtig ist, warum spendest du nicht dein Familienvermögen, um sie zu unterstützen?«

Zhang Feng stockte, dann lief er rot an und widersprach: »Ich bin anders als du! Ich habe sieben Fertigkeitsslots – mein zukünftiger Beitrag für die Menschheit wird weit größer sein als deiner!«

»Wirklich? Ich erinnere mich, dass du gestern beim Gemüsehacken auch nicht gerade besonders tapfer warst«, konterte Jiang Han schonungslos.

Zhang Feng wurde wütend vor Scham. »Das war erst der Anfang! Du wirst schon noch erfahren, was ein Himmel und Erde Unterschied bedeutet!« Damit stap