Das Dröhnen der Räder auf den Gleisen wurde plötzlich dumpf, und das Sternenlicht draußen wurde wie von einem gewaltigen schwarzen Schlund verschlungen – der Zug fuhr in einen langen Tunnel ein. Das ohnehin dämmrige Abteil versank augenblicklich in noch tieferer Finsternis. Nur die vorbeifliegenden Lichter am Fenster zerschnitten die Schatten im Waggonanschluss zu einem wirren Fragment aus Licht und Dunkel.
Chen Mo zog instinktiv den Kopf ein. In diesem gespenstischen Wechsel von Hell und Dunkel breitete sich urplötzlich ein furchterregend kalter Hauch aus. Die beiden Unheimlichen, die die Toilette nicht aus den Augen gelassen hatten, setzten sich in Bewegung.
Der eine alt, der andere jung, der eine klein, der andere groß – ihre Gestalten glitten im engen Gang wie Gespenster aneinander vorbei. Chen Mo riss die Augen auf. Bevor er reagieren konnte, fing er einige gedämpfte, böswillige Flüche auf, in denen er verschwommen Worte wie „Xingyi-Sekte" und „Verräter" zu erkennen glaubte. Dann wirbelte der Mann im blauen Baumwolljackett mit geschlossener Knopfleiste plötzlich herum und stürzte sich wie ein abgeschossener Pfeil auf den blassgelben Mann neben der Toilette.
Dieser Angriff war wie ein Tiger, der einen Berg hinabstürzt, und trug den Entschluss zum Töten in sich. Doch das nächste Bild, das Chen Mo zu sehen bekam, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren – der Mann kam schneller zurück, als er losgestürzt war. Sein Rücken wölbte sich plötzlich nach außen, der Stoff zerriss mit einem scharfen Knall, der in der stillen Wagenluft besonders ohrenbetäubend klang. Er taumelte zu Boden, sein Gesicht wurde schlagartig kreidebleich, und in seinen eigentlich kalt und scharf blickenden Augen schimmerte nun ein Hauch von Bosheit – direkt auf Chen Mo gerichtet.
Im selben Moment schoss der hagerere alte Mann mit dem silbernen Haar empor. Sein Körper war behände wie ein Gibbon, schwang sich an der Halteschlaufe an der Wagendecke in die Luft, setzte Arme und Beine ein,拳 und Fuß zugleich, und zielte auf die Kehle und die Herzgegend des blassgelben Mannes. Der blassgelbe Mann blieb reglos, doch sein Blick glitt über die Schulter des Alten hinweg und streifte Chen Mo mit einer gewissen Beiläufigkeit.
Der alte Mann, der Chen Mo den Rücken zuwandte, bemerkte das Wandern des Gegners und glaubte irrig, dieser hätte noch Helfer in der Nähe. Instinktiv reduzierte er bei seinem ansonsten sicheren Todesstoß die Kraft. Genau in diesem blitzschnellen Augenblick erstarrte das Gesicht des Alten.
Der blassgelbe Mann nutzte diese flüchtige Gelegenheit. Er senkte die Schultern, ließ die Ellbogen sinken, und die Lebenskraft in seinem Körper blähte sich auf, sodass sein blaues Baumwolljackett davon beinahe zerrissen worden wäre. Er schützte den Kopf mit angewinkeltem Arm, trat mit einem Ausfallschritt vor und ging mit voller Härte auf den Angriff des Alten ein – der Ellbogen stieß mit aller Kraft nach vorn.
„Hmph!"
Ein dumpfes Seufzen ertönte. Chen Mos Sicht wurde von den einander überlagernden Gestalten der beiden Kämpfenden verdeckt. Als er wieder klar sehen konnte, war der alte Mann wie ein Drachenboot ohne Leine meterweit zurückgeschleudert worden, seine Füße berührten den Boden, doch er musste mehrere Schritte zurücktaumeln, bevor er halbwegs standfest blieb. Auf dem gealterten Gesicht stieg ein ungesundes, hochrotes Erröten auf.
Der Ausgang war entschieden.
Bevor Chen Mo sich von seinem Schock erholen konnte, drehten sich die beiden – Alt und Jung – ohne zu zögern um, drückten das Fenster auf und sprangen wie Leoparden hinaus in die pechschwarze Nacht und verschwanden.
Zu diesem Zeitpunkt schoss der Zug aus dem Tunnel heraus, und das Sternenlicht flutete erneut das Abteil. Abgesehen von Chen Mo war alles andere nach wie vor in tiefer Stille versunken, als hätte das soeben erlebte, atemberaubende Geschehen niemals stattgefunden.
„Mann!"
Chen Mo starrte mit offenem Mund. Er hatte gedacht, das Leben nach seiner Wiedergeburt würde ein Nostalgiefilm sein – wer hätte geahnt, dass er direkt in einen Wuxia-Film hineingezogen würde? Alles war zu schnell passiert, Angriff um Gegenangriff, nur ein Wimpernschlag. So sah es aus, als hätte der Mann, der Pfannkuchen gegessen hatte, gewonnen. Er drehte hastig den Kopf zur Toilette – dort war längst niemand mehr zu sehen, nicht einmal ein Schatten von ihm.