9. Die Atemtechnik des Goldenen Kröten-Atems, Teil 2
Kaum waren die Worte verklungen, spürte Chen Mo einen seltsamen Rhythmus, der von den aneinanderliegenden Handflächen der beiden ausging. Es war, als entstünde eine Resonanz; die Muskeln seines ganzen Körpers begannen, ausgehend vom linken Arm, sich unwillkürlich anzuspannen und zu zittern. Dieses Zittern breitete sich rasch auf alle Glieder aus, als würde der gesamte Körper zu einem einzigen Strick verdreht. Selbst die Knochen knackten in diesem seltsamen, mystischen Pulsieren in einer Reihe klarer Geräusche. „Fasse deinen Geist und folge meinem Atem.“
Der alte Wächter verstummte, und sein Atem wurde tief und lang, mal kurz, mal lang, unregelmäßig steigend und fallend. Seine Wangen blähten sich wie die eines goldenen Frosches, unablässig pumpend, und auch sein Bauch wölbte sich leicht. Im Nu erklang unter dem Mondlicht eine Reihe klarer Froschquaken. Während Chen Mo diesem Quaken lauschte, pochten seine Schläfen unkontrollierbar, und sein ganzer Körper zitterte mit. Es war qualvoll. Eine Folter. Doch als er versuchte, seine eigene Atmung dem Rhythmus des alten Wächters anzupassen, verflüchtigte sich der Schmerz der verkrampften Muskeln allmählich. Es war, als würde er aus dem Passiven ins Aktive wechseln; ohne dass es der Führung des anderen bedurfte, löste jedes Ein- und Ausatmen nun eine Veränderung in ihm selbst aus. Erst als die Atmung der beiden völlig übereinstimmte und die Frequenz des Muskelzitterns sich angeglichen hatte, stellte Chen Mo überrascht fest, dass sein Körper sich deutlich erwärmt zu haben schien. Der Atem, den er durch Hals und Zunge aufnahm, war anfangs eiskalt, doch nach einigen Zügen wurde er warm. Nachdem er in den Bauch eingedrungen war, schien er sich in eine runde Pille zu verwandeln, die zusammenhielt und sich nicht auflöste. Sie strahlte einen warmen Strom aus, der sich im ganzen Körper verteilte und die Kälte vertrieb. „Diese Atemtechnik des Goldenen Kröten-Atems ist eine Methode für die nächtliche Kultivierung. Denke daran, in Zukunft jede Nacht hierherzukommen, um zu üben. Wenn du etwas nicht verstehst, kannst du mich jederzeit fragen.“
Als Chen Mo dies hörte, stellte er ein Gesicht voller grenzenloser Freude zur Schau, doch in seinen Augen flackerte ein kaltes Schimmern. Dieser alte Geist hatte es auch nicht gut mit ihm gemeint. Früher hätte Chen Mo diesem Unsinn vielleicht geglaubt, doch zum Glück hatte er in den letzten Tagen viele der Hintergründe durchschaut. So wertvoll diese Atemtechnik auch war, so mobilisierte sie im Grunde doch nur die eigene Essenz, das Qi und den Geist. Für jemanden ohne jede Grundlage war das eine tödliche Sache. Vielleicht zeigten sich anfangs keine Anzeichen, doch mit der Zeit zehrte es die Lebenskraft des Körpers auf.