Mit dem immer schneller werdenden Rhythmus seines Atems spürte Chen Mo, als hätte sich in seinem Bauch aus dem Nichts ein bodenloses Loch aufgetan. Dieses Hungergefühl stammte nicht aus dem Magen, sondern drang aus den tiefsten Tiefen seines Knochenmarks hervor. Zuvor hatte er sich noch voller Energie gefühlt, mit unerschöpflicher Kraft in jedem Glied, doch nachdem er die Methode aus dem Fragment kaum eine halbe Stunde lang geübt hatte, brach ihm schon der Schweiß aus allen Poren. Er fühlte sich, als wäre ihm das Rückgrat herausgerissen worden; Funken tanzten vor seinen Augen, und sein Körper schwankte drohend.
Als er merkte, dass etwas nicht stimmte, verstauten Chen Mo eilig die beiden vergilbten Fragmente und steckte sie behutsam zurück in seine Brusttasche. Er kümmerte sich nicht um den kalten Schweiß auf seiner Stirn, sondern stolperte durch das Zimmer, wühlte in Kisten und Schränken und holte die harten Fladen und den halben Beutel geröstetes Mehl hervor, die er normalerweise unter seinem Kopfkissen versteckte. Er stopfte sie sich, egal wie hart sie waren, hastig in den Mund.
Doch diese kleine Menge reichte nicht einmal aus, den Rand des „bodenlosen Lochs“ zu berühren. Stattdessen schien es ein schlafendes, hungriges Tier zu wecken, und das Hungergefühl verdoppelte sich augenblicklich.
Chen Mo biss die Zähne zusammen, zog seinen wattierten Mantel enger, stieß die Tür auf und stürzte in den beißenden Wind, um geradewegs zur Kantine der Forststation zu rennen.
Es war noch früh am Morgen, und in der Kantine waren nur einige junge Frauen, die als Küchenhilfen arbeiteten und gerade das Frühstück vorbereiteten. Als Chen Mo wie ein ausgehungerter Wolf hereinstürmte, in einem Zug acht große Schüsseln heißen Maisgrießbrei verdrückte und sich dann über ein Dutzend goldbraune, knusprige Maisfladen in den Mund schob, starrten ihn die Mädchen fassungslos an. Die Löffel in der Hand, starrten sie mit offenem Mund auf den sonst so schweigsamen Sohn der Familie Chen.
Doch das reichte immer noch nicht. Chen Mos Blick suchte den Herd ab und blieb schließlich an einem großen Stück geschmortem Fleisch hängen, das am Rand des Schneidebretts lag – es war gestern extra zurückgelegt worden, wog sicher einige Pfund und sah aus wie Fleisch von einer Rehkeule.
Ohne ein Wort zu sagen, schnappte er sich das Fleisch und biss hinein. Fett und mageres Fleisch, er aß alles mit Windeseile auf, bis sein Bauch so rund wie ein Ball war. Erst dann atmete er langsam aus, ließ sich auf die Holzbank fallen und rührte sich nicht mehr.
„Was für eine unheimliche Kunst...“, murmelte Chen Mo und strich über seinen runden Bauch. Er spürte, wie der unruhige Hitzestrom in seinem Körper endlich zur Ruhe kam. In seinem Herzen mischten sich Angst und Schock. „Kein Wunder, dass der alte Mann sagte, diese Methode müsse von einer Diät-Therapie begleitet werden. Das ist ja keine Kultivierungsmethode, das ist darauf angelegt, jemanden bei lebendigem Leibe zu verhungern..."